Einkommensrunde 2008 - erste Tarifrunde beendet
dbb bekräftigt Nachholbedarf des öffentlichen Dienstes - erste Tarifrunde beendet
Ohne erkennbare Annäherung in den zentralen Streitpunkten ist am Freitagnachmittag (11. Januar 2008) in Potsdam die auf zwei Tage angesetzte erste Tarifrunde zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern von Bund und Kommunen beendet worden. „Wir sind den ersten Schritt eines langen Weges gegangen“, sagte dbb-Verhandlungsführer Frank Stöhr, 1. Vorsitzender der dbb tarifunion und Zweiter Vorsitzender des dbb. Beide Seiten sprachen von ernsten, sehr sachlich geführten Gesprächen, jedoch machten Gewerkschaften wie Arbeitgeber deutlich, dass man in der Sache noch sehr weit auseinanderliege. Die Forderung von dbb und ver.di nach acht Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro mehr lehnen die Arbeitgeber entschieden ab und legten kein eigenes Angebot vor, die Kommunen verlangen eine Verlängerung der Arbeitszeit. Die Verhandlungen werden am 24. Januar fortgesetzt.
Vor der Fortsetzung der Tarifverhandlungen hatte der dbb-Verhandlungsführer Frank Stöhr den Nachholbedarf der Beschäftigten im öffentlichen Dienst in Sachen Einkommen erneut bekräftigt. Dem Fernsehsender n-tv sagte Stöhr am Freitagmorgen: „Wir sehen einerseits die finanziellen Gegebenheiten insbesondere bei den Kommunen. Andererseits müssen aber auch die Arbeitgeber zur Kenntnis nehmen, dass die Kolleginnen und Kollegen in den vergangenen vier Jahren Reallohnverluste in Höhe von fünf Prozent hinnehmen mussten und noch immer darauf warten, dass der Aufschwung auch bei ihnen ankommt.“
Der öffentliche Dienst habe ein Anrecht auf Teilhabe an der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, so Stöhr. Die Kooperation von dbb beamtenbund und tarifunion und ver.di demonstriere die Geschlossenheit und Entschlossenheit der Gewerkschaften, erklärte Stöhr. Er gehe angesichts der von den Tarifvertragsparteien vereinbarten weiteren vier Verhandlungsrunden von einer gründlichen Analyse aller Argumente und der Faktenlage aus, so Stöhr. Streiks könnten indes nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden, da die Erwartungshaltung der Beschäftigten nach vielen Jahren der Enthaltsamkeit zu Recht sehr hoch sei.
Laut Deutschlandtrend der ARD tagesschau, den Infratest-dimap am 10. Januar 2008 veröffentlichte, halten 55 Prozent der Deutschen die Lohnforderung der Gewerkschaften für den öffentlichen Dienst für angemessen, vier Prozent finden sie sogar „zu niedrig“. Nur 37 Prozent betrachten die Forderung als zu hoch.
Auftakt der Tarifverhandlungen mit Bund und Kommunen in Potsdam
Stöhr: Genug gespart
Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst haben hohe Erwartungen an die Einkommensrunde 2008, erklärte der Zweite Vorsitzende des dbb und 1. Vorsitzende der dbb tarifunion Frank Stöhr zum Auftakt der am 10. Januar in Potsdam aufgenommenen Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern von Bund und Kommunen. „Nach drei Jahren ohne lineare Erhöhung ist unsere Forderung nach acht Prozent Gehaltssteigerung ausgesprochen bescheiden“, sagte der dbb-Verhandlungsführer.
In den letzten vier Jahren betrug die Preissteigerungsrate acht Prozent. „Der Nettolohn 2007 ist dadurch um fünf Prozent geringer als 2004“, kritisierte Stöhr. Gerade bei den unteren Lohngruppen mache sich dies erheblich bemerkbar, zumal sie überproportional von den erheblichen Preissteigerungen vor allem bei der Energie betroffen seien. „Ich kann den Arbeitgebern nur raten, unsere Forderung sehr ernst zu nehmen. An den Beschäftigten wurde genug gespart. Unsere Kolleginnen und Kollegen sind bereit und willens, den Forderungen Nachdruck zu verleihen“, unterstrich Stöhr, notfalls auch in Form eines Arbeitskampfes. „Auch die knappen Kassen der Kommunen,“ so Stöhr weiter, „können unsere Tarifforderung nicht aushebeln. Eine Krankenschwester mit 1300 Euro netto ist nicht an der Staatsverschuldung schuld. Wir werden nicht zulassen, dass sie jetzt trotzdem die Zeche zahlen soll.“
Bei den Verhandlungen in Potsdam geht es um die Einkommen der rund 1,3 Millionen Angestellten von Bund und Kommunen. dbb und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di fordern gemeinsam acht Prozent mehr Geld, mindestens jedoch 200 Euro pro Monat.





